Donnerstag, 26. November 2020

Realsatire mit Martin - heute: Die EU-"Lohnsklaverei" der armen BRD

Dieser Artikel bezieht sich auf die Rede des AfD-Abgeordneten Martin Sichert in der 194. Sitzung am 25.11.20120 um 15:52 h. Das Thema der "Aktuellen Stunde" war auf Antrag der Linken „Für gute Löhne und Verteilungsgerechtigkeit sorgen – Zunehmende Ungleichheit in der Corona-Pandemie stoppen“. Das Original des Videos gibt es hier oder auf meinem YouTube-Kanal.


Die Rede im Wortlaut


Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren,

die Linken wollen heute über gute Löhne sprechen. Ein Lohn ist umso besser, je mehr der Erwerbstätige von seinem erwirtschafteten Geld behalten darf. Gute Löhne sind also das Gegenteil von Umverteilung. Wir haben aktuell drei Rekorde, die aneinandergestellt zeigen, dass diese Regierung total versagt. Erstens: Wir haben weltweit die höchsten Steuern und Abgaben - kein anderes Land weltweit presst seine eigenen Bürger so aus wie wir. Zwitens: Wir machen in diesem und dem kommenden Jahr Rekordschulden von mehreren hundert Milliarden Euro. Und Drittens: Wir haben Armut auf Rekordniveau - seit der Wiedervereinigung gab es nie so viele Arme wie heute.

Wenn man soviel den eigenen Bürgern wegnimmt, und sich so hoch verschuldet, aber trotzdem die Armut steigt, dann stellt sich die Frage: Was läuft schief in Deutschland? Wohin geht das ganze Geld? Die Antwort auf die Frage ist: Ein Großteil dieses Geldes geht in die EU. Ich höre ständig von Abgeordneten anderer Parteien, allen voran CDU und CSU, dass es total großartig sei, anderen Staaten in der EU Geld zu geben, weil diese Länder schließlich deutsche Produkte kaufen würden.

Das ist - mit Verlaub - ökologisch der größte Schwachsinn, den ich je gehört habe. Was sie hier politisch machen, ist das Gleiche, wie wenn sie zu einem Kioskbesitzer gehen, und ihm sagen, er soll dem nächsten Kunden, der vorbeikommt, 100 Euro schenken, und dann hoffen, dass derjenige für diese 100 Euro bei ihm einkauft. Wahrscheinlich wird - genau wie bei der EU - derjenige das Geld dankbar einstecken, und es ansderswo ausgeben. Aber selbst, wenn er das Geld im Kiosk ausgibt, dann hat der Kioskbesitzer zwar hinterher wieder die gleichen 100 Euro in der Kasse, aber er hat einen massiven Verlust gemacht, denn die Waren für 100 Euro sind dann weg.

Diese ganze Umverteilung von deutschem Steuergeld an andere EU-Länder ist letztlich nur eine brutale Ausbeutung dutscher Erwerbstätiger. Man presst den Erwerbstätigen immer mehr Geld ab, bürdet ihnen immer höhere Staatsschulden auf, die sie abarbeiten müssen, und finanziert damit Steuersenkungen und soziale Wohltaten in anderen Ländern. Diese moderne Form der Lohnsklaverei ist das Gegenteil von Verteilungsgerechtigkeit und von guten Löhnen, und es ist scheinheilig, dass sie von den Linken, die immer das Loblied auf die EU mitsingen, sich hier hinstellen, und über mangelnde Verteilungsgerechtigkeit und schlechte Löhne klagen - ändern sie stattdessen mal ihre europäische Politik.

Neben der EU-Politik ist aber auch die Verteilung des Geldes innerhalb von Deutschland ein Problem. Anstatt, dass wir Armut bekämpfen, werden mit Abermilliarden nicht konkurrenzfähige umweltschädliche Projekte wie Elektroautos und Windräder subventioniert. Das ist eine gigantische Umverteilung von Unten nach Oben. Die Wohlhabenden, die sich ein Elektroauto oder ein Windrad leisten können, die freuen sich über die Subventionen, die die ärmeren Mitbürger mit ihren Steuern finanzieren. Ganze Industriezweige wie der konventionelle Kraftwerksbau oder die Automobilindustrie mit hunderttausenden Arbeitsplätzen werden durch diese Politik vernichtet.

Auf die Spitze getrieben wird diese wohlstandsvernichtende Politik durch massive Bürokratie wie die geplante Euro-7-Norm. In der Folge baut BMW künftig Motoren in Großbritannien, und Daimler in China. Diese gezielte Vernichtung deutscher Arbeitsplätze führt zu steigender Armut. Wir haben aktuell so viel Umverteilung und staatliche Lenkung wie noch nie, und als Ergebnis Rekordarmut und massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen.

Ihnen von der Linken, die immer von Vermögensabgaben, neuen Steuern und noch mehr staatlicher Lenkung träumen, kann man nur raten: Sehen sie sich doch in der Realität um - genau diese Politik haben wir aktuell, und sie führt nur zu einem, nämlich grassierender Armut. Wir brauchen gute Löhne, also deutlich niedrigere Steuern und Abgaben.

Wir brauchen aber auch einen Einsatz der Mittel des Staates für die einheimische Bevölkerung, die einheimische Infrastruktur und die einheimische Wirtschaft. Schluss mit dem Verschleudern unzähliger Milliarden deutschen Steuergelds jedes Jahr an andere EU-Staaten und als Subventionen für unrentable Technologien.

Stärken wir Deutschland. bekämpfen wir Armut, indem wir die deutsche Wirtschaft und unsere Mitbürger entlasten und unterstützen. Das wäre nicht nur fair und sozial gerecht, sondern genau das ist auch unser Auftrag als deutscher Bundestag.

Vielen Dank
     [Hervorhebungen entsprechen der deutlichen Betonung des Herrn Sichert!]


Analyse der Rede


Ein Lohn ist umso besser, je mehr der Erwerbstätige von seinem erwirtschafteten Geld behalten darf.

Nun, da hat der Martin wohl ein fundamentales Verständnisloch: Ein Lohnarbeiter "erwirtschaftet" kein "Geld", sondern erhält einen Lohn für verrichtete Arbeit. Auch Angestellte "erwirtschaften" nichts, nur dass die keinen Lohn, sondern ein Gehalt für die erbrachte Arbeit erhalten. (Der Unterschied sind einzig und allein die Modi zur Berechnung der Bezahlung und der monatliche Auszahlungstermin.) "Gelder erwirtschaften" tun nur Selbständige, in der fortgeschritteneren Form mit mehreren/vielen/sehr vielen/extrem vielen Lohn-/Gehaltssklaven auch "Unternehmer" genannt.


Gute Löhne sind also das Gegenteil von Umverteilung.

Falsch. Bessere Löhne sind nur dann möglich, wenn der Unternehmer seine Preise erhöht, und diese Erhöhung (zumindest anteilig!) an seine Sklaven weiterreicht, oder er freiwillig auf einen Teil seines Profits verzichtet, und ihn als Almosen nach unten fallen lässt. Letzteres dürfte so selten sein, dass man mit der Lupe suchen müsste, um auch nur einen einzigen Fall zu finden.


Wir haben weltweit die höchsten Steuern und Abgaben

Das ist falsch. Daten der OECD zur Einkommenssteuer


kein anderes Land weltweit presst seine eigenen Bürger so aus wie wir

Na ja - außer in der AfD und einschlägigen Unternehmerkreisen, die auch gern mal an der einen oder anderen Steuerbetrügerei beteiligt sind, wird kaum jemand das Zahlen seiner Steuern als "Auspressung" empfinden.


Wir machen in diesem und dem kommenden Jahr Rekordschulden von mehreren hundert Milliarden Euro.

Richtig. Und was bitteschön ist daran falsch?


Wir haben Armut auf Rekordniveau - seit der Wiedervereinigung gab es nie so viele Arme wie heute.

Richtig. Was sich allerdings - empirisch belegbar - direkt auf die so genannten "Hartz-Reformen" und die staatlich gewollte Umverteilung von Unten nach Oben durch Subventionen und "Förderungen" zurückführen lässt. Auch die außer Kontrolle geratene Spekulation mit "Betongold" trägt ihr Schärflein dazu bei, dass die Armen immer ärmer werden.


Wenn man soviel den eigenen Bürgern wegnimmt, und sich so hoch verschuldet, aber trotzdem die Armut steigt

Ist Letzteres nicht eine kausale Folge von Ersterem, während das mittlere mit den beiden anderen rein gar nichts zu tun hat?


Ein Großteil dieses Geldes geht in die EU.

Falsch. Laut Europäische Union: Nationale Beiträge der Mitgliedstaaten zum Haushalt im Jahr 2019 haben wir 2019 25,82 Milliarden Euro in den Topf der EU gezahlt, und 12,24 Milliarden Euro [Quelle] zurück bekommen. "5,82 - 12,24 = 13,58 Milliarden Euro Nettobeitrag. Das sind gerade mal 3,8 Prozent des Bundeshaushalts 2019.

Dass die AfD immer noch mit ihren frei erfundenen Behauptungen bezüglich des EU-Beitrags Betteln und Hausieren geht, zeugt nicht nur von einer gewaltigen Lernresistenz, sondern auch vom übergroßen Drang der AfD-Mitglieder zum Märchen erzählen.


[...], dass es total großartig sei, anderen Staaten in der EU Geld zu geben, weil diese Länder schließlich deutsche Produkte kaufen würden.

Das ist, mit Verlaub, ökologisch der größte Schwachsinn, den ich je gehört habe.


Nein. Mit Verlaub, Martin, es ist eher so, dass Du von der Materie, über die Du hier geschlagene vier Komma irgendwas Minuten rumnölst, absolut keinen Schimmer hast, und das mit vorsätzlichen Falschaussagen zu kompensieren versuchst.


Was sie hier politisch machen, ist das Gleiche, wie wenn sie zu einem Kioskbesitzer gehen, und ihm sagen, er soll dem nächsten Kunden, der vorbeikommt, 100 Euro schenken, und dann hoffen, dass derjenige für diese 100 Euro bei ihm einkauft. Wahrscheinlich wird - genau wie bei der EU - derjenige das Geld dankbar einstecken, und es ansderswo ausgeben. Aber selbst, wenn er das Geld im Kiosk ausgibt, dann hat der Kioskbesitzer zwar hinterher wieder die gleichen 100 Euro in der Kasse, aber er hat einen massiven Verlust gemacht, denn die Waren für 100 Euro sind dann weg.

Selbst mit dieser mehr schlecht als recht zusammengeschusterten "Parabel" beweist der Martin, dass er von der Materie keine Ahnung hat - welcher Kioskbesitzer würde seine Ware wohl freiwillig für den Einkaufspreis verramschen, dass unter dem Strich nichts übrig bliebe? Bestimmt nur der Martin, der auch wildfremden Leuten einfach so mal auf die Schnelle hundert Euro schenkt, weil er darauf hofft, seinen Ramsch an den dann zum Einkaufspreis verscherbeln zu können, während der freundliche Mitmensch das Zeug dann mit dem marktüblichen Gewinn von 100 Prozent verhökert und die anderen 100 Euro auch noch einsteckt...

Nö, Martin, so funktioniert Wirtschaft nun wirklich nicht. Ebenso bekommen wir die in die EU investierten 13,58 Milliarden vervielfacht durch unseren weltmeisterlichen Export wieder in die Kassen gespült. Es ist eher so, dass gerade wegen unserer langjährigen Exportweltmeisterschaft die anderen EU-Länder langsam ausbluten...


Man presst den Erwerbstätigen immer mehr Geld ab, bürdet ihnen immer höhere Staatsschulden auf, die sie abarbeiten müssen,

Ach Martin. "Erwerbstätige" arbeiten nicht - sie lassen ihre Lohnsklaven für sich arbeiten.


und finanziert damit Steuersenkungen und soziale Wohltaten in anderen Ländern.

Du hast bestimmt belastbare Nachweise, die bestätigen, dass die anderen Länder sich auf unsere Kosten einen faulen Lenz machen?


Diese moderne Form der Lohnsklaverei ist das Gegenteil von Verteilungsgerechtigkeit und von guten Löhnen,

Ach Martin - wenn Du schon keine Ahnung hast, was die Worte "Lohnsklaverei", "Verteilungsgerechtigkeit" und "guter Lohn" bedeuten, solltest Du sie in einer öffenlichen Debatte tunlichst nicht verwenden. Stattdessen führst Du Dich hier auf härteste Masochistenart selbst vor - hoffentlich hat es sich wenigstens erregungstechnisch gelohnt...


Anstatt, dass wir Armut bekämpfen, werden mit Abermilliarden nicht konkurrenzfähige umweltschädliche Projekte wie Elektroautos und Windräder subventioniert.

Hurra - der Martin hat den Spagat vom EU-Bashing zur Klimaleugnung geschafft! Dass die in Deutschland nur wegen der Milliardensubventionen gebauten Elektroautos auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig sind, weiß jedes Kind - dass sie allerdings umweltschädlich sind, ist so hanebüchen, dass Du das wirklich wasserfest nachweisen solltest, wenn Du Dich nicht als notorischer Lügner outen willst. Und was an Windrädern umweltschädlich sein soll, kannst Du uns gewiß auch noch erklären - das klingt nämlich richtig unplausibel.


Die Wohlhabenden, die sich ein Elektroauto oder ein Windrad leisten können,

Ach ja, richtig - wer kennt sie nicht, die Bonzen mit den 200 Meter hohen Windrädern auf ihren Villen, die sie nebst noch gar nicht serienreifen Nobelschlitten mit Elektroantrieb von "denen da oben [TM]" geschenkt bekommen.


Ganze Industriezweige wie der konventionelle Kraftwerksbau oder die Automobilindustrie mit hunderttausenden Arbeitsplätzen werden durch diese Politik vernichtet.

Nö, Martin, da musst Du jetzt gaaaanz tapfer sein: Diese tollen "konventionellen Kraftwerke" und die tollen "Verbrennungsmotoren" sind absolute Auslaufmodelle, die in zehn Jahren nur noch überzeugte AfD-Anhänger kaufen werden. Auf dem Weltmarkt wird dieses überholte Zeug in absehbarer Zeit völlig verschwinden, und dann sind die ganzen tollen Arbeitsplätze auch futsch, wenn die AfD nicht "Autos für Deutschland" kauft - und zwar alle. Was ihr dann jedes Jahr mit Millionen Autos mit Verbrennungsmotor tut, die nirgendwo auf der Welt fahren dürfen, ist euer Problem...


massive Bürokratie wie die geplante Euro-7-Norm

Ach Martin - was hat eine Abgasnorm bitteschön mit "Bürokratie" zu tun, und warum hast Du Dich nicht schon 1993 über Euro 1 beschwert, das das selbe Zulassungsprocedere hatte?


In der Folge baut BMW künftig Motoren in Großbritannien, und Daimler in China.

Und beide zahlen dann horrende Einfuhrzölle, um diese Motoren nach Deutschland zu importieren? Dient die Auslagerung nicht eher dazu, sich die Zölle bei der Ausfuhr zu ersparen, und die bisherigen Exportfahrzeuge direkt im Abnehmerland zu bauen? Abgesehen davon - Verbrennungsmotoren sind Auslaufmodelle, die bald eh keiner mehr kauft.


Diese gezielte Vernichtung deutscher Arbeitsplätze führt zu steigender Armut.

Nö - einzig und allein die Kurzsichtigkeit deutscher Manager und die völlig absente Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft führt zur Vernichtung von Arbeitsplätzen, und die Armut ist einzig und allein der Raffgier der "Großkopferten" geschuldet.


Sehen sie sich doch in der Realität um

Wäre dieses Motto nicht eher etwas für die rüchwärtsgerichtete AfD, die mental in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts steckengeblieben ist?


Wir brauchen gute Löhne, also deutlich niedrigere Steuern und Abgaben.

Seit wann bestimmt die Höhe der Steuern (ein prozentualer Wert) die Höhe der Löhne (ein monetärer Wert)? Wenn ich von 10 Euro Stundenlohn 15 % Steuern zahle, bleiben 8,50 Euro übrig, wenn ich von 20 Euro Stundenlohn 25 % Steuern zahle, bleiben 15 Euro übrig - was von beiden ist mehr?


Stärken wir Deutschland...

Nö, Martin, mit dem, was Dir vorschwebt, stärkst Du unser Land nicht, sondern lieferst es einem langen, qualvollen Sterben aus. Was wir brauchen, ist keine Kleinstaaterei, sondern Visionen für eine lebenswerte Zukunft. Mit "Deutschland zuerst!" wirst Du Deutschland ebenso siegestrunken an die Wand fahren, wie Trump es mit den USA vorexerziert hat - asoziales Verhalten rächt sich früher oder später!



/t\ THG


Mittwoch, 11. November 2020

Wollt ihr die totale Religion?

Wie man Begriffe kapert und missbraucht


Leider hat vor einiger Zeit eine kleine, eingeschworene Religionsgemeinschaft den bis dahin positiv besetzten Begriff Querdenken gekapert, und missbraucht ihn seitdem dazu, sich gegen unsere Gesellschaft querzustellen, und empirisch belegbare Fakten mit dem Eifer religiöser Verblendung zu leugnen. Schauen wir uns die international anerkannte Definition des Begriffs Querdenken doch einmal ein wenig genauer an:

Laterales Denken (von lateinisch latus „Seite“), umgangssprachlich auch Querdenken genannt, ist eine Denkmethode, die im Rahmen der Anwendung von Kreativitätstechniken zur Lösung von Problemen oder Ideenfindung eingesetzt werden kann.

Da fragt man sich als jemand, der diesen Begriff früher benutzte, aber - dank des inzwischen etablierten Missbrauchs durch diverse Gida-Gidas und zuletzt Querstellen - das Quer in weiser Voraussicht entfernt hat, was am Leugnen empirisch belegbarer Fakten wohl "kreativ" sein mag. Und, wenn man das Verhalten dieser religiös verblendeten Menschen einmal Revue passieren lässt, muss man schon mit der Zeitlupe danach suchen, wo genau sich auch nur einer davon an der Lösung von Problemen beteiligte, oder gar zu einer Ideenfindung beitrug. Die Anzahl der gefundenen Treffer tendiert nicht nur gegen, sondern ist exakt Null.


Querstellen ist das neue Dogma


Was diese Religionsgemeinschaft also mit Sicherheit nicht erfüllt, sind die Grundregeln des Querdenkens - Kreativität, Ideen entwickeln und dabei allen anderen die Hand reichen, um gemeinsam Lösungsansätze für akute Probleme zu finden. Stattdessen werden möglichst viele wohl definierte Begriffe gekapert, um sie mit neuen, ihrer Definition diametral widersprechenden Bedeutungen zu überladen, die anderen Menschen dann munter als "Argumente" ins Gesicht geschrien werden. Man marschiert gemeinsam mit Mitmenschen, deren erkärtes Ziel es ist, unsere Demokratie mit Gewalt in einen Unrechtstaat nach nazionalistischem (das "z" ist kein Schreibfehler!) Vorbild zurückzuprügeln, skandiert Parolen staatsfeindlicher Organisationen, und hat trotz alledem die Chuzpe, zu behaupten, man würde unsere Grundrechte [TM] "verteidigen". Schaut man sich das Konglomerat aus Realitätsverweigerern und mit extremer krimineller Energie agierenden Demokratiefeinden an, fragt man sich, wes Geistes Kind diese Leute sind - ein munteres Potpourri aus aufgestautem Hass, Realitätsverweigerung und latenter Bereitschaft zum Umsturz durch ungehemmte Gewalt.

Zudem fragt man sich, von welchen Grundrechten [TM] diese Leute da vor sich hin phantasieren - meines Wissens gibt es in unserem Grundgesetz weder das "Grundrecht" auf andere mit tödlichen Krankeiten anstecken dürfen, noch das "Grundrecht" auf Andersdenkenden, Journalisten und Polizisten mit Gewalt den Glauben an unsere [TM] neue Religion einbläuen dürfen. Möglicherweise wäre es hilfreich, wenn diese Menschen ein einziges Mal in ihrem Leben einen Blick in unser Grundgesetz werfen würden, bevor sie "Fake Facts" zum Besten geben?


Das neue Doppelplusundenk


Das künstliche Konstrukt Querstellen - in Wirklichkeit ein erfolgreiches Geschäftsmodell des Erfinders der Bewegung! - hat mit dem Vorgang sinnvollen Denkens nichts gemein. Schon das Leugnen empirisch belegbarer Fakten zeugt unzweideutig davon, dass diejenigen, die etwas leugnen, das man in jedem Labor unter dem Rasterelektronenmikroskop mit den eigenen Augen sehen könnte, so man denn wollte, sich schon so weit von der Realität entfernt haben, dass es schwer sein dürfte, sie jemals wieder als vollwertige, verantwortungsbewusste Mitglieder in unsere Gesellschaft zu (re-)integrieren.

Zudem hat das Nachplappern religiöser Glaubensbekenntnisse mit dem Vorgang des bewussten Denkens rein gar nichts zu tun. Glaubenssätze zu rezitieren erfordert keine besonders große Denkleistung, da der Inhalt bereits von jemand anderem gedacht und massenwirksam formuliert wurde - wer sich vor den Karren geschäftstüchtiger Religionsgründer spannen lässt, beweist damit eher, dass es mit dem Denken nicht besonders weit her sein kann. So ähnlich müssen damals im 2. und 3. Jahrhundert die ersten Christen agiert haben, die es immerhin schafften, die hochstehende römische Zivilisation durch eine eineinhalb Jahrtausende währende westliche Leidkultur in geistlicher Umnachtung zu ersetzen...


Fazit


Ich bitte meine geistesgesunden Mitmenschen inständig, die Querstellen-Bewegung nicht dadurch zu unterstützen und sie noch weiter als legale Organisation zu etablieren, indem man sie mit dem von ihnen gekaperten Begriff Querdenken adelt. Je mehr Leute sie nach dem benennen, was sie tatsächlich tut - sich gegen überlebensnotwendige Maßnahmen für unsere Gesellschaft mit fadenschenigen religiösen Glaubenssätzen Querstellen - desto mehr Wind nimmt man ihr aus den Segeln. Nur wenn wir das Querstellen als charakterisierendste Eigenschaft dieser neuen Religion entlarven, haben wir eine Chance, dass sie nicht noch mehr labile Menschen in den Bann schlagen und missionieren kann.


Nenne Gewalttäter/innen/außen Nazi, und Du schaffst Märtyrer. Nenne sie ohne jegliches politisches Deckmäntelchen schlicht und ergreifend Verbrecher - was sie letztendlich ja sind! - und alle werden sich angewidert von ihnen abwenden. Erst die Aufwertung durch Zuordnung zu einer bestimmten Ideologie macht aus Verbrechern "Gurus", "Helden", "Idole", "Märtyrer", "Vorbilder", et cetera...

Donnerstag, 27. September 2018

Herr Gauland und die "Entsorgung" unliebsamer politischer Gegner

Am 26.08.2017 trafen sich die Herren Alexander Gauland, Bernd Höcke und Jürgen Pohl mit 250 Anhängern der AfD zu einer Wahlveranstaltung in der Obereichsfeldhalle Leinefelde, um - nach eigenen Angaben der AfD - Ihre Wertschätzung gegenüber Jürgen Pohl auszudrücken.

Die AfD berichtet selbst, dass Herr Gauland "[...] dann in seinen Ausführungen die Versäumnisse der Regierung im Umgang mit illegalen Zuwanderern und abgelehnten Asylbewerbern an[sprach]. Diese Gruppen leben im Prinzip illegal in Deutschland und genießen alle Annehmlichkeiten des Sozialstaates, der vom deutschen Volk finanziert wird. Er brachte Beispiele dafür, wie frech manche ‚Zuwanderer‘ den Staat betrügen und an der Nase herumführen." [Zitat wörtlich dem Link entnommen]

Auf die nicht belegbaren Behauptungen der AfD geht mein Blog "AfD unter der Lupe" wesentlich detaillierter ein, als ich das hier tun könnte (und wollte). Der Berichterstatter HK vergaß allerdings zu berichten, wie Herr Gauland seine Ausführungen formulierte, als die Sprache auf die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Frau Aydan Özoguz, kam. Diese hatte bezüglich der leidigen Leidkultur (eine von der AfD mit Freuden aufgegriffene Wortschöpfung des Politologen Bassam Tibi) gegenüber dem „Tagesspiegel“ im Mai zu äußern gewagt, dass „eine spezifisch deutsche Kultur, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar ist“. Ihre Begründung: „Schon historisch haben eher regionale Kulturen, haben Einwanderung und Vielfalt unsere Geschichte geprägt. Globalisierung und Pluralisierung von Lebenswelten führen zu einer weiteren Vervielfältigung von Vielfalt.“

Herrn Gauland fiel hierzu nichts besseres als „Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“ ein. Wenn das kein klassisches argumentum ad hominem ist, das man mangels sachlicher Argumente ins Feld zu führen gezwungen ist, wenn man auf Teufel komm raus einen Punkt gegen einen politischen Gegner zu erzwingen versucht, dann fresse ich freiwillig einen (Schokolade-)Besen! Dass darauf hin laut Berichterstatter HK Applaus und vereinzelte Jubelrufe des Publikums folgten, lässt darauf schließen, dass das Publikum vollumfänglich auf die rhetorischen Wortspielchen eines Redners hereingefallen ist, dessen Beruf einmal Rechtsanwalt war, bevor er ins Europaparlament einzog.

Ich erspare dem Leser den Rest der xenophoben Hasspredigt des Herrn Gauland, die sich (wie bei diesem netten Menschen üblich) auf einem Niveau weit unterhalb des Bodenlevels bewegte - auf YouTube tummeln sich genug Videodokumente, die seine sprachlichen Entgleisungen für die Nachwelt konservieren. Es geht auch nicht um die Behauptungen, die Herr Gauland von sich gibt, obwohl er sehr genau weiß, dass er diese aus den Fingern gesogenen Phantasien niemals mit Fakten belegen können wird. Was mir, einem Menschen mit guter bürgerlicher Erziehung, die in der so genannten Mitte der Gesellschaft durchaus üblich ist, leicht säuerlich aufstößt, ist die Verrohung der Sprache, die unliebsame Menschen zu Objekten degradiert, die man von anderen (man möchte sich ja nicht selbst die Finger mit dem Blut seiner Opfer beschmutzen...) zum "Entsorgen" in jenes (einst befreundete) Ausland zu schicken gedenkt, von dem man sehr genau weiß, dass man dort unliebsame politische Gegner unter dem Deckmäntelchen "Mitglied der Gülen-Bewegung" ohne konkrete Belege für diese Behauptung in Gefängnisse zu stecken pflegt. Eine Vorgehensweise, die man auch bei der AfD mit Vorliebe pflegt - behaupten ist halt wesentlich einfacher als den Beweis für die Richtigkeit des Behaupteten zu führen. zum Glück beschränkt sich der Handlungsspielraum der AfD (noch) auf die verbale Ebene. Hoffen wir, dass das noch möglichst lange so bleibt!

Es ist hochgradig bedenklich, wenn ad hominem-Attacken allmählich wieder salonfähig werden, und eine ganze Partei in großem Stil mit solch fragwürdiger Methoden auf Wählerfang geht. Noch bedenklicher ist es, wenn jemand mehr oder weniger verhohlen dazu aufruft, dass Dritte seinen politischen Gegnern physische Gewalt antun sollen - immerhin forderte Herr Gauland seine Zuhörer dazu auf, eine in der BRD geborene deutsche Staatsbürgerin gegen ihren Willen in einen momentan nicht sicheren Unrechtsstaat zu verbringen, um sie dort zu "entsorgen", sprich der Haft zuzuführen, die nach der von Erdogan geforderten Einführung der Todesstrafe auch mit der Ermordung des Ziels Gaulands verbaler Entgleisung enden könnte.

Man kann von Frau Özoguz durchaus halten was man will. Man darf auch jederzeit ihre politische Arbeit scharf kritisieren. Was wir in einem zivilisierten Land wie dem unseren, das schon in der Steinzeit so weltoffen und multikulturell war, dass der hier lebende Homo neanderthalensis den zugereisten Homo sapiens aufnahm, tunlichst unterlassen sollten, ist das Hetzen gegen Menschen anderer Herkunft. Wie schon die Neandertaler den Homo sapiens Asyl gewährten, die Kelten den Germanen, der Kelten-Germanen-Mix sich lustig mit Römern, Slawen, Hunnen und Türken vermischte, sollten wir als Nachkommen einer solchen Melange doch so viel Grips haben, dass unser Staat untergehen wird, wenn wir diese Kette unterbrechen, um uns nur noch mit unserer näheren Verwandtschaft paaren. Wer stehen bleibt, oder gar zurück geht, hängt sich selbst ab und kann über kurz oder lang nur verlieren. Wer in der heutigen Welt den Rückschritt zur Kleinstaaterei und Separation tun will, muss sich darüber im Klaren sein, dass er dann auch zum Standard der angestrebten Zeitepoche zurückkehren muss, da die moderne Wirtschaftsordnung alles links liegen lässt, was unrentabel oder unbequem ist.

Wir haben die Wahl, dem bisherigen Erfolgsrezept der Vielfältigkeit weiterhin zu folgen, oder unserem Land jene unnatürliche Einfältigkeit aufzuzwingen, die sich im Lauf unserer Geschichte immer wieder als Sackgasse entpuppte, die das ganze Land wirtschaftlich an den Ruin brachte und die Bevölkerung jedes Mal empfindlich reduzierte.

Sonntag, 22. April 2018

Das Problem der AfD, Statistiken verstehend lesen zu können...

Wie immer schafft es die AfD auch anlässlich der Anhörung zum Antrag der Linken und Grünen bezüglich der Abschaffung des Paragraphen 265a, den Gedankenaustausch zu einem Sachthema flugs zum Rückfall auf Ihr einziges Thema, der pauschalisierenden Abwertung "der Einwanderer", zu missbrauchen. Wen schert schon die altmodische Sachlichkeit, wenn man doch ebenso gut völlig unsachlich "alternative Fakten" und "gefühlte Wahrheiten" wie ein Priester der allein selig machenden Sekte der absoluten Wahrheit zelebrieren kann?

Wer den von Herrn Seitz als Quelle zitierten Bericht des BKA (den man sich jederzeit beim BKA herunterladen könnte, so man denn wirklich an "der Wahrheit" interessiert wäre) bezüglich der "Erschleichung" nach §265a (Kennziffer 515001) etwas genauer anschaut, der sollte auch bemerkt haben, dass von den völlig aus dem Zusammenhang gerissenen 75.403 "ausländischen" Straftätern (Tabelle 4-2.9-T06) zum Beispiel 8,1 % Rumänen, 5,7 % Türken, 5,4 % Polen, 3,4 % Serben, 3,5 % Bulgaren und 2,8 % Italiener - insgesamt also 28,9 % Nicht-Flüchtlinge der ungeheuren Masse von 13,5 % (10.179) Syrern und Afghanen entgegenstehen. Meine Ausführungen beziehen sich auf Buch 4 des Berichts. In den insgesamt 5 Büchern sind sonst keinerlei verwertbare Daten bezüglich der Herkunft der nach §265a erfassten "Straftäter" enthalten, sodass man sich fragt, woher Herr Seitz seine Daten wohl bezogen haben mag.

71,9 % dieses unglaublich hohen Anteils von 13,5 % aller "Ausländer" (7.319 aus 246.171), die sich Leistungen nach §265a erschlichen haben, verursachte mit ihrer "Straftat" den wirtschaftlich wirklich immensen Schaden von "unter 15 Euro", da Fahrkarten im ÖPNV selten Beträge jenseits einer Grenze von 10 Euro überschreiten. Der Gesamtschaden aller 245.542 Fälle (Tabelle 4-2.9–T07) belief sich auf 5,7 Millionen Euro, sodass sich rein rechnerisch ein erschlichener Betrag von sage und schreibe 23,21 Euro pro Fall ergibt. Diese 245.542 Straftäter haben zusammen also einen ungefähr mit dem von der Einzelperson Uli Hoeneß vergleichbaren Schaden verursacht - bei dem hat aber niemand eine sofortige Abschiebung gefordert...

Abgesehen davon hat sich in die Tabellen 4-2.9-G02, 4-2.9-T04, 4-2.9-T05 Teil 1 und Teil 2, 4-2.9-T06 aber offensichtlich ein Fehler eingeschlichen, da dort - im Gegensatz zu allen anderen davor und danach veröffentlichten Tabellen - anstatt der überall unter Kennziffer 515000 aufgelisteten 246.171 Fälle plötzlich von 162.397 Tatverdächtigen die Rede ist. Legt man die 246.171 Fälle zugrunde, ergibt sich ein "Ausländeranteil" von rund einem Drittel (30,63 %), der allerdings auch alle sich in Deutschland aufhaltenden nicht-deutschen EU-Bürger erfasst.

Die Argumentation des Herrn Seitz beruht also darauf, dass er einen offensichtlichen Statistikfehler zu seinen Gunsten "interpretiert". Schaut man sich die Statistiken noch ein bisschen genauer an, wird man anhand der Tabellen 4-2.9-T01 sowie 4-2.9-T08 und folgende feststellen, dass die Anzahl der unter §265a fallenden Delikte seit 2014 im Bundesdurchschnitt rückläufig ist, obwohl die Bevölkerungszahl seitdem um rund zwei Prozent gestiegen ist. Wollte man statistische Spielchen treiben, müsste man doch eher zu dem Schluss kommen, dass - gerade durch den Zuzug von Syrern und Afghanen - die Zahl der Straftaten abgenommen hat, und Deutschland wesentlich mehr Syrer und Afghanen benötigt, um seine Kriminalitätsstatistiken noch weiter aufpeppen zu können...

Zudem ist es reine Spekulation, dass zahlende Fahrgäste rein spekulative Mehrkosten querfinanzierten. Busse und Bahnen fahren immer - ungeachtet dessen, ob Mitfahrende nun ein Ticket lösen oder das Verkehrsmittel völlig ohne Fahrgäste fährt. Die gern präsentierten "Hochrechnungen" spekulieren also mit rein fiktiven Zahlen, und selbst dann, wenn 100 Prozent aller Fahrgäste den entsprechenden Obolus entrichteten, führen die meisten Verkehrsbetriebe trotz alledem keine kostendeckenden Einnahmen ein. Ein bisschen Schwund - die Gemeinschaft aller Verkehrsbetriebe selbst schätzt die Zahl der Schwarzfahrer auf rund drei Prozent - gibt es immer. Ob der nun durch technische Defekte oder "Beförderungserschleicher" entsteht, ist mehr oder weniger vom Zufall abhängig.

Dass die AfD hier mit den christlichen Parteien im Chor heult, die sich immer - den Prämissen ihrer Religion folgend - gegen den Menschen und für "des Kaisers" Geld entscheiden werden, ist selbstverständlich, folgt sie doch den neoliberalen Glaubenssätzen einer freien, durch keinerlei Regeln eingeschränkten Wirtschaft.

Jeder, der in seinem Leben schon einmal aufgrund chronischen Münzmangels die Beförderung zum 10 Kilometer entfernten Jobcenter "erschleichen" musste, da der zuständige Sachbearbeiter sich mit der Bearbeitung eines Bewilligungsbescheides mal wieder sehr viel Zeit lässt, und man mit einem Essensgutschein leider keine Fahrkarte bekommt, darf sich glücklich schätzen, wenn nicht ausgerechnet der Herr Seitz als Staatsanwalt für ihn/sie zuständig ist. Insgesamt zeigt der Herr Seitz uns mit seiner Rede aber sehr schön auf, was arme Menschen zu erwarten haben, sollte die AfD dereinst führende politische Kraft der BRD werden.

Wenn ihr arm seid, müsst ihr euer Kreuzchen also gaaanz unbedingt bei der AfD machen. Die kümmern sich ... darum, dass arme Menschen kriminalisiert werden. Wie der Herr Seitz es wortgewaltig demonstriert hat. Hört euch seine Rede vom Anfang bis zum bitteren Ende an - dann wisst ihr, wie es armen Menschen (dem so genannten "Prekariat") nach der Machtergreifung des von der AfD zer- äh vertretenen "Volkes" gehen wird!

Samstag, 19. August 2017

Politik für Dummies

Liebe Leser(innen, Aussen und überhaupt),

dieser Blog richtet sich an alle, die mit Politik wenig am Hut haben, sich aber trotzdem am politischen Geschehen in unserem Land beteiligen wollen.

Zur Zeit erleben wir alle ein Phänomen: Eine kleine Handvoll Politprofis, die sich in der aktuellen Parteienlandschaft selbst außerhalb der etablierten Parteien verorten, obwohl nicht wenige von ihnen aus eben diesen etablierten Parteien stammen, versuchen mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Wortmacht, das emotionale Gleichgewicht unbedarfter Menschen durch stetige Stichelei, blumige Schilderung utopischer Schreckensszenarien und eingängige Mantras ("Vier sind das Volk", "Merkel muss weg", "Lügenpresse", et cetera) zu Fall zu bringen und umzukippen, damit die derart aufgestachelten Menschen dann letztendlich das tun, zu was diese Politprofis sie auch immer aufgehetzt haben.

Das hat mit Politik - dem Überzeugen anderer Menschen mittels des Aufbaus einer plausiblen Argumentationslinie, die realistische Ziele formuliert, und aufzeigt, wie man sie umsetzen könnte - nichts mehr zu tun. Es ist zweckgerichtete und gezielte Manipulation von Menschenmassen, wie sie in den Lehrbüchern der Psychologie ausgiebig beschrieben wird. Derart manipulierte Menschen werden sehr schnell zu Politzombies, wie wir sie sattsam aus totalitären Regimen rund um unseren Planeten kennen.

Wir brauchen aber keine Armee von Ja-Sagern, die willfährig genau das tun, was eine kleine, abgehobene Elite ihnen befiehlt, sondern gut informierte Menschen, die das graue Zeugs, das im Verlauf unserer Kindheit in unseren Schädeln herangewachsen ist (und sich seither durch vielfältige Erfahrungen eigentlich weiterentwickelt haben sollte), zur Entwicklung eigenständiger Gedanken zu verwenden imstande sind. Zum guten, sprich umfassenden Informationsstand gehört, dass man insbesondere "irgendwo" angebotene Informationen aus dubiosen Quellen sorgsam auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft, und solche Quellen, die von sich behaupten, die einzig wahre Wahrheit zu verkünden, und alle anderen Quellen des Lügens bezichtigen, die es wagen, eine von der präsentierten Wahrheit abweichende Sicht der Dinge zu haben, mit äußerster Vorsicht behandeln sollte. Wer mit absoluten Wahrheiten jongliert, arbeitet entweder als Programmierer / Mathematiker, oder er ist ein Scharlatan, der seinen Mitmenschen etwas vorzugaukeln versucht, das es in der wirklichen Welt gar nicht gibt. All unsere "Wahrheiten" geben immer eine subjektive Sicht auf unsere Welt wieder, die sich von Mensch zu Mensch zum Teil sehr krass unterscheidet, obwohl sie doch spätestens dann identisch sein sollte, wenn es um konkrete Ereignisse geht, über die mehrere voneinander unabhängige "Augenzeugen" berichtet.

Der Sinn dieses Blogs ist es, die Wachsamkeit seiner Leser zu wecken, und ihnen den Weg zu einer skeptischeren Weltsicht aufzuzeigen. Es ist nicht alles wahr, was behauptet wird - insbesondere in den a-sozialen Hetzwerken kursieren weitaus mehr Lügen und Halbwahrheiten als mit Fakten belegte Tatsachenberichte. Es geht hier nicht darum, den Lesern die bazillionste Version einer wie auch immer ausfabulierten Wahrheit aufs Auge zu drücken, sondern aufzuzeigen, mit welchen Tricks und (unlauteren) Mitteln Politiker, Wirtschaftsvertreter und Religionen versuchen, Menschen vor ihren Karren zu spannen. Es wird kaum jemandem erspart bleiben, seine Arbeitskraft an den Meistbietenden zu verhökern. Man sollte sich dessen aber immer bewusst sein, und eine sehr klare Linie ziehen, inwieweit man bereit ist, dabei die eigene Persönlichkeit zugunsten des Profits anderer Menschen aufzugeben. Eine weitere Reizschwelle sollte man sich dort antrainieren, wo es um Glaube und Vertrauen geht. Vertrauen kann missbraucht werden, Glaube ist das Gegenteil von Wissen - was man weiß, muss man nicht glauben, was man glaubt ist in der Regel nicht nachweisbar und wird somit nie den Status gesicherten Wissens erlangen.

Schauen wir uns also anhand konkreter "Stolpersteine", über die ein unbedarfter Bürger unserer Republik zuhauf stolpern wird, wenn er/sie es wagt, einen Fuß in unsere Polit-Landschaft zu setzen, etwas genauer an, wer da was sagt und in wessen Interesse er/sie das tut.


Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Bernhard Schornak