Abstract
Dieser Peer-Review analysiert die Aussagen des Videos "Das Maskenparadox", das ein Joachim Baum auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht hat. Korrekt müsste es eigentlich „das Maskenparadoxon“ heißen, aber wir wollen die Fünf heute mal gerade sein lassen. In diesem Video versucht der Herr Baum, Formelwerke der Elektrotechnik auf den Menschen, dessen Atmung, Mikroorganismen und diverse Mund-Nase-Bedeckungen anzuwenden, deren „erhoffte Hauptwirkung“ - den Ausführungen des Herrn Baum zufolge - wegen „scharfen Nachdenkens“ und aufgrund der „Erkenntnisse der Elektrotechnik“ „nicht Null, sondern negativ“ sein müsse. Die hier angegebenen Zeit-Links führen zum Originalvideo - die Sprungmarken in meinem Peer Review auf YouTube sind dort in der Beschreibung zu finden.
Analysis
1:25 Die mit dem "Maskenzwang" erhoffte Hauptwirkung - der Schutz Anderer vor Infektion - muss allein wegen scharfen Nachdenkens über seit langem erkannte elektrotechnische Lehrsätze nicht Null, sondern negativ sein. Wohlgemerkt: Ich spreche hier nicht von negativen Nebenwirkungen, die man gegebenenfalls in Kauf nehmen müsste, um eine wichtigere Hauptwirkung zu erzielen.
Mit den Formelwerken der Elektrotechnik die Mechanik der Gase oder gar biologische Vorgänge erfassen und beschreiben zu wollen, zeugt nicht gerade von ernsthafter wissenschaftlicher Arbeit. Es weist eher darauf hin, dass mangelhafte Kenntnisse der Biologie, der Elektrotechnik und der Mechanik der Gase genommen, bunt zusammengewürfelt und dann wider besseres Wissen auf Vorgänge angewendet werden, die jenseits des Definitionsbereichs der verwendeten Formelwerke liegen. Die Wissensobergrenze eines beschränkten Horizonts verhindert oft, zu der Erkenntnis zu gelangen, dass das eigene Tun die bestehenden Regeln und Formelwerke ad absurdum führt.
1:55 Dieser Gedanke geht wie folgt: Man stelle sich vor, man sei "unwissend Infizierter", und bereits dabei, Viren über die Atemwege auszuscheiden. Dann kann man sich selbst auch als "Virenquelle" bezeichnen.
Das im Hintergrund gezeigte Filmchen minderwertiger Qualität bezeugt, dass da jemand mit ein paar wichtig aussehenden Geräten ein Konglomerat aus technischen Teilen zusammengepfriemelt hat, die wohl einen "Versuchsaufbau" darstellen sollen. Das hat aber eher mit Voodoo denn mit einem "wissenschaftlichen Experiment" zu tun, wie der im Filmchen eingeblendete Text es uns suggerieren möchte. Ich denke, dass sowohl dem Urheber des Filmchens, einem Herrn Pelikan, als auch dem Herrn Baum klar ist, dass diese Zirkusnummer nur der Verhohnepipelung eines Laienpublikums dient, die mit wirklicher wissenschaftlicher Arbeit rein gar nichts zu tun hat - ein angeblicher Diplomingenieur mit angeblichem Doktortitel sollte eigentlich wissen, wie Wissenschaft wirklich funktioniert. Um wenigstens ein bisschen Eindruck bei der anvisierten Zielgruppe des Herrn Pelikan zu schinden, hätte man zumindest eine Beatmungsmaschine nehmen können, die realistisch ein- und ausatmet - welcher normale Mensch pustet seinen Atem denn schon stundenlang durch die gespitzten Lippen aus, ohne nach kürzester Zeit ohnmächtig umzufallen? So bleibt das Filmchen Show um der Show willen, die einer ernsthaften wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhält.
2:14 Der erzeugte "Virenstrom" ist erst einmal als konstant anzusehen, wenn er auch bei genauerer Betrachtung vor allem vom Erkrankungsverlauf abhängt.
Nun, Herr Baum, zu Beginn einer Abhandlung über neue Messmethoden für per Tröpfcheninfektion verbreitete Viren sollte man doch erst einmal herleiten, wie dieser unbekannte "Virenstrom" gemessen werden kann: Welcher Leiterquerschnitt ist zu verwenden, welche minimale Spannung ist zum Betrieb erforderlich, welche Spannung darf maximal angelegt werden, wie muss die Stromquelle abgesichert werden, und so weiter, und so fort - kurzum: Die Beschreibung des verwendeten Versuchsaufbaus wäre für die Überprüfung der Arbeitshypothese zwingend erforderlich. Sobald das Konstrukt "Virenstrom" irgendwann einmal definiert und etabliert sein wird, kann anschließend geklärt werden, wie man zu der Erkenntnis gelangen kann, dass dieser "Virenstrom" als konstant angenommen werden müsse, respektive, welche Parameter und Betriebszustände bei der Betrachtung des Erkrankungsverlaufs für die Messung solch eines "Virenstroms" relevant sein könnten.
Ungeachtet der ungeklärten Fragen gibt es eine grundlegendere Überlegung: Wenn der „Virenstrom“ konstant sein muss, ist es unvermeidbar, dass zu seiner Konstanthaltung auch die nachgeführte Spannung im positiven Bereich (oberhalb der gelben Nulllinie) bleiben muss – sobald die Spannung (im Analogon Druck) negativ wird, kehrt sich auch die Fließrichtung des Stroms um, womit er nicht mehr konstant ist. Da Atmung ausschließlich auf dem Wechselspiel von Über- und Unterdruck funktioniert, ist schon allein deswegen das Analogon eines konstanten „Virenstroms“ abzulehnen, da der nicht mit der Realität korreliert.
2:25 Hier also erst einmal "Konstantstromquelle" des "Virenstroms".
Die menschliche Lunge arbeitet in vier Phasen: Man atmet ein (das Analogon einer nicht-konstanten Stromsenke), hält kurz den Atem an (das Analogon des Verharrens auf dem höchsten Pegel), atmet anschließend aus (das Analogon einer nicht-konstante Stromquelle) und hält dann den Atem erneut an (das Analogon des Verharrens auf dem tiefsten Pegel), bevor dieser Zyklus sich wiederholt. Zur Veranschaulichung zeigt die Graphik den Unterschied zwischen einem oben dargestellten Konstantstrom und der unten dargestellten Annäherung an den Atemvorgang eines Menschen, der sich natürlich, abhängig von der aktuellen Tätigkeit, stetig in der Frequenz und auch den Puls-Pause-Verhältnissen (Duty Cycle) ändert. Hier allgemeingültige Berechnungen für mehr als einen sehr kurzen Abschnitt im Bereich eines einzelnen Zyklus anstellen zu wollen, verbietet sich von selbst.
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| Konstantstromquelle und nicht-konstante Atmung |
Mit dieser simplen Tatsache ist der "Gedanke" des Herrn Baum hinreichend falsifiziert, da die menschliche Atmung keine einzige der Voraussetzungen erfüllt, die man an eine elektrische Konstantstromquelle stellt. Zudem ist eine Maske elektrisch gesehen ein Isolator, und es fließt zwischen der Maske und den Schleimhäuten weder ein messbarer elektrischer Strom noch liegt eine messbare elektrische Spannung an, was eine Applikation der Kirchhoffschen Regeln von vornherein ausschließt, wenn man seriöse Forschung betreibt.
Auch wenn die zugrunde liegende These als falsch zurückgewiesen wurde, halte ich es für angebracht, auch die weiteren Fehler in der Argumentationskette des Herrn Baum hervorzuheben, um allen Gläubigen der „einzig wahren Religion des Maskenparadox [TM]" vor Augen zu führen, welchem Unfug sie da aufgesessen sind.
2:31 Auch in der Elektrotechnik gibt es die "Figur" der Konstantstromquelle. Ebenso kann man sich Wasserquellen oder leicht aufgedrehte Wasserhähne als Konstantstromquellen vorstellen.
Eine Konstantstromquelle ist keine "Figur", sondern ein idealisiertes technisches Modell. Dieses Ideal kann mit tatsächlichen elektrischen Stromquellen nur näherungsweise verwirklicht werden. Des weiteren gibt es reale Konstantstromquellen nur in der Elektrotechnik. Für konstant höhenunabhängigen Transport von Flüssigkeiten nutzt man druckstabilisierte Pumpen mir Quellreservoirs, für konstant höhenunabhängigen Transport von Gasen Kompressoren mit Vorratskesseln und Druckminderer am Ausgang, damit der Innendruck des Kessels nie unter den vorgegebenen Ausgangsdruck fallen kann (Voraussetzung: Der Kompressor muss mehr Gas fördern, als am Ausgang entnommen wird). Die Atmung des Menschen entspricht aber keinem einzigen dieser technischen Konstrukte und Apparate, sondern ist ein komplexer, sich mehr oder weniger erratisch verhaltender Vorgang, auf den man die Formeln der Elektrotechnik schlicht und ergreifend nicht anwenden kann. Es ist sehr interessant, dass der Herr Baum ausgerechnet eine Konstantstromquelle verwendet. Das bedeutet, dass die Spannung (der „Druck“) kontinuierlich nachgeführt werden muss, um den fließenden Strom konstant halten zu können.
2:47 Es gibt die elektrotechnische Regel, dass der Strom in der Reihenschaltung an allen Stellen gleich ist.
Das gilt aber ausschließlich für aus einer elektrischen Stromquelle gespeiste elektrische Widerstände. Durch eine Maske kann schon allein deswegen kein elektrischer Strom fließen, da sie im Sinne der Elektrotechnik ein Isolator ist, und man Formeln und Regeln der Elektrotechnik nicht auf Gase und Filter anwenden kann. Für Gase, Aerosole und Flüssigkeiten bietet das Material der Maske hingegen einen allein von der Partikelgröße abhängigen Widerstand. Während Luft das Material ungehindert passieren kann, bleiben Aerosoltröpfchen, die eine bestimmte Größe überschreiten, vollständig im Filtergewebe hängen, von dem sie dann aufgesogen und festgehalten werden. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass die Fasern im Maskenvlies Abstände von ~ 600.000 Picometer haben, während Luftmoleküle gerade einmal die Größe von einem Zwei- bis ein Dreitausendstel des minimalen Abstands haben. Tausende Luftmoleküle können jede beliebige Stelle im Vlies simultan passieren!
2:54 Legt man einem konstanten Strom einen Widerstand in den Weg, dann passiert das folgende: In der Elektrotechnik sorgt die Konstantstromquelle dafür, dass der Strom konstant bleibt. Am Widerstand fällt eine Spannung ab, die man mit U gleich I für den Strom multipliziert mit R für den Widerstand berechnen kann.
Dazu bräuchte es aber erst einmal einen konstant fließenden Strom. Da Luft, selbst wenn sie mit Viren gesättigt ist, ein elektrischer Nichtleiter ist, flöße da nur dann ein Strom, wenn die Konstantstromquelle beim Nachregeln unendlich hohe Spannungen erzeugen könnte, die in Mikrosekundenbruchteilen zu einem Lichtbogen führte, der die Luftmoleküle ionisierte und leitfähig machte, um den vorgegebenen Wert des konstanten Stroms einzuhalten. Der menschliche Körper kann durch Reibung zwar Hochspannung erzeugen, die ist aber rein statisch, und nicht mit einer Konstantstromquelle mit einem Nachregelbereich von Null bis unendlich viel Volt vergleichbar.
3:20 Beim Wasserfluss, der ein Kaffeefilter beispielsweise überwinden muss, oder beim mäßigen, bibermäßigen Staudamm, gibt es einen Rückstau. Die Höhe des Pegels ist ein direktes Maß für den Wasserdruck, der benötigt wird, um den Kaffeefilter oder das Stauwerk gegebener Qualität mit dem vollen, konstanten Volumenstrom zu durchdringen.
Einmal mehr der Denkfehler, offene Systeme mit einem in sich geschlossenen Stromkreis gleichzusetzen, in dem eine physikalisch begrenzte Menge freier Elektronen von einem Pol der Stromquelle zum anderen fließt. Sowohl ein Kaffeefilter als auch ein "mäßig bibermäßiger Staudamm" funktionieren einzig und allein nach dem Prinzip der Schwerkraft. Da der "mäßig bibermäßige Staudamm" in Wirklichkeit einen Nichtleiter darstellt, kann er nur dann überlaufen, wenn er aus einer Quelle gespeist wird, die höher als seine Oberkante liegt. Und auch beim Kaffeefilter wird niemals mehr als die Kegelspitze ganz unten im Filtergehäuse mit Wasser benetzt werden, wenn die Grundbedingung der Kirchhoffschen Regeln - der überall identische Stromfluss - erfüllt ist. Nur dann, wenn oben exakt so viel eingefüllt wird, wie unten wieder heraus läuft, sind alle Bedingungen der Kirchhoffschen Regeln erfüllt. Strom kann nicht "überlaufen", da ein elektrischer Schaltkreis ein in sich geschlossenes System ist, in dem der Stromfluss an jedem x-beliebigem Messpunkt gleich sein muss. Ist das nicht erfüllt, weil ein Analogon kein in sich geschlossener Stromkreislauf ist, ist auch eine Anwendung der Kirchhoffschen Regeln unzulässig.
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| Kirchhoff und die nicht überlaufen könnenden Ströme |
Des weiteren ist die Aussage, die Höhe des Pegels wäre ein "direktes Maß für den Wasserdruck, der benötigt wird, um..." schlicht und ergreifend falsch. Da alles auf unserem Planeten vorkommende Wasser einzig und allein von der Erdschwerkraft in Bewegung gesetzt wird, wenn man es nicht mit einer Pumpe fördert, und die Zuflussgeschwindigkeit, als Maß für den Druck, im Analogon die "anliegende Spannung", ausschließlich von der Höhendifferenz abhängt, sagt der gemessene Druck rein gar nichts aus. Entscheidend ist einzig und allein die Durchflussmenge, das Analogon des fließenden Stromes - ein Rinnsal kann auf einer abschüssigen Strecke einen Druck von einem Megapascal aufbauen, wird aber Jahre benötigen, den "mäßig bibermäßigen Staudamm" überlaufen zu lassen, während ein träge dahin fließender, breiter Strom, dessen "Spannung" das Wasser nur mit einen Druck von einem Kilopascal vor sich her schiebt, den "mäßig bibermäßigen Staudamm" innerhalb kürzester Zeit geflutet haben dürfte.
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| offene und geschlossene Systeme |
Einen konstanten Druck könnte man bestenfalls unterhalb der Wasseroberfläche messen, da der hydrostatische Druck im Wasser mit zunehmender Tiefe proportional wächst. Dieser vertikale, zum Schwerkraftzentrum der Erde gerichtete Druck ist allein von der Schwerkraft (der Masse des über einem Punkt stehenden Wassers) abhängig, nur der horizontale, parallel zur Fließrichtung auftretende Strömungsdruck entspricht im Analogon der anliegenden Spannung. Schon allein aufgrund der Existenz des hydrostatischen Drucks ist die Gleichsetzung von in der Natur fließendem Wasser mit einem elektrischen Leiter völlig absurd. Auch ein eventuell ins Gefecht geworfener Skin-Effekt könnte nicht mit hydrostatischem Druck gleichgesetzt werden, da der aufgrund anderer physikalischer Grundlagen zustande kommt.
3:47 Auch hier kann man den Wasserdruck genauso im Voraus berechnen, wenn man "Strom" und Widerstandswert kennt.
Nein, das kann man nicht, da der Wasserdruck sich auf jedem Meter des Bach- oder Flussbettes (das Analogon der "Leitung") ebenso wie der "Widerstandswert" ändert. Es sei denn, es ist ein Kanal mit einem über die gesamte Länge gleich bleibenden Querschnitt mit glatten Flächen - da würde aber kein echter Biber freiwillig einen "mäßig bibermäßigen Staudamm" bauen wollen...
3:56 Beim Atmen erhöht sich dementsprechend die Virenkonzentration in den Luftwegen, wie auch der Partialdruck von CO2.
Wie passt eine sich "beim Atmen erhöhende Virenkonzentration in den Luftwegen" zur zuvor festgelegten Konstantstromquelle, deren grundlegendes Kriterium die stets gleich bleibende Menge freier Elektronen ist, die durch den elektrischen Leiter fließen? Wenn es sich nicht gerade um ein Wunder handelt, das bei jedem Atemzug zusätzliche Materie aus einem anderen Universum in das unsere teleportiert, besteht wohl kaum ein Grund, warum die Virenpopulation sich beim Ein- und Ausatmen plötzlich gravierend ändern sollte. Abgesehen davon sind "Viren in den Luftwegen" ja relativ harmlos. Sie werden erst dann zur Gefahr, wenn ihre Rezeptoren an einer gesunden Zelle in unserem Körper andocken, in sie eindringen, und sie zur Reproduktion neuer Viren animieren.
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| Größenvergleich FFP1-Vlies und CO2-Molekül |
Worin der kausale Zusammenhang zwischen dem "Partialdruck von CO2" und einer sich "beim Atmen erhöhenden Virenkonzentration in den Luftwegen" besteht, hätte der Herr Baum schon etwas detaillierter beschreiben dürfen. Die von uns ausgeatmete Menge an CO2 ist so gering, dass man sehr lange in einem hermetisch geschlossenen Raum atmen müsste, um nennenswerte Auswirkungen (CO2-Vergiftung) zu verspüren. Das hätte allerdings zu keinem Punkt fortschreitender Vergiftung Auswirkung auf den natürlichen Reproduktionsvorgang der Population von SARS-CoV-2 – man wäre auch nach dem Ersticken weiterhin eine Infektionsquelle.
4:06 Lässt eine schlechte Maske beim Ausatmen zum Beispiel die Hälfte aller Viren hindurch, erhöht sich die Virenkonzentration bis auf das Doppelte, um dann die Hälfte vom Doppelten durchzulassen. Und so weiter, und so weiter - ein Zehntel vom Zehnfachen oder ein Promille vom Tausendfachen.
Da hätte der Herr Baum sich nur die knapp 10 Minuten Zeit nehmen müssen, um sich bei der Sendung mit der Maus über den Aufbau und die Wirkung einer FFP1-Maske zu informieren, und den später in seinem eigenen Video eingeblendeten Auschnitt der DIN EN 149:2009-08 verstehend zur Kenntnis nehmen, um zu dem Wissen zu gelangen, dass eben diese FFP1-Maske maximal 20 Prozent der im Raum schwebenden Aerosole durchlässt - dann hätte er sich nicht selbst eine Phantasiezahl wie "50 Prozent" ausdenken müssen.
Auf welcher Studie basiert die Behauptung des Herrn Baum, dass eine "schlechte Maske" beim Ausatmen "die Hälfte aller Viren" durchlässt - hat er das selbst gemessen (wenn ja: Wie?), oder woher bezieht er diese Zahl? In Wirklichkeit fliegen Viren nicht solo durch die Luft, da sie das normalerweise nicht sehr lange überleben. Die meisten Viren halten sich in dem Schleim auf, der sich auf unseren Schleimhäuten im Mund- und Rachenraum und in der Lunge bildet, da das der sicherste Aufenthaltsort für ein Virus ist, das sich nicht im Inneren des befallenen Körper einnisten muss, um sich reproduzieren zu können.
Der überwiegende Teil der lebenden SARS-CoV-2 Population bevölkert unsere Schleimhäute, und wird erst dann in unsere Umgebung katapultiert, wenn wir husten müssen. Dabei bilden sich - neben den etwas größeren Schleimklumpen, die wir abhusten - Millionen kleiner und kleinster Tröpfchen, die wir in einer Aerosolwolke ausstoßen, welche sich ohne Mund-Nase-Bedeckung im ganzen Raum verteilt. Die Konzentration nimmt in Abhängigkeit von Zeit, Abstand und Raumgröße in wachsender Entfernung vom Hustenden zwar ab, die Viren sind in den Schleimtröpfchen aber relativ gut geschützt und für längere Zeiträume überlebensfähig, und können bei entsprechender Aufenthaltsdauer durchaus den gesamten Raum kontaminieren. Nichtsdestotrotz ist nicht die Konzentration in Viren pro Kubikmeter entscheidend, sondern einzig und allein das Zusammentreffen zwischen einem Aerosoltröpfchen und einer Schleimhaut. Mit etwas Pech erwischt man genau das eine, das im Raum schwebt, mit etwas Glück trifft einen hingegen kein einziges der hunderttausend in einem anderen Raum herum schwebenden Tröpfchen, in den man sich anschließend begibt.
Mit angelegtem Mund-Nase-Schutz bleibt der überwiegende Teil der Tröpfchen im Stoff hängen und wird von diesem aufgesogen. Es gibt sicher einen Teil, der an den Seiten des Mund-Nase-Schutzes austritt, der wird aber zu großen Teilen von der Haut neben den Lücken abgefangen. Da der größte Teil der Aerosole im Mund-Nase-Schutz hängen bleibt, ist die Gefahr, dass die ausgehusteten "Gäste" wieder zu den Schleimhäuten zurückkehren, relativ gering, zumal die Viren nicht mobil genug sind, ein Aerosoltröpfchen ohne Hilfe wieder zu verlassen.
Besonders gelungen ist dem Herrn Baum aber der Satz "erhöht sich die Virenkonzentration bis auf das Doppelte, um dann die Hälfte vom Doppelten durchzulassen.". In einer Formel veranschaulicht: 1/2 * 2 * K (mit K = Konzentration), also insgesamt 1 * K. Auch das Ergebnis der anderen Rechenaufgaben ist übrigens Eins.
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| Die K-Frage... |
Die Frage ist nur: Wie kommt man auf derartige Rechenaufgaben? Welche Studien wurden durchgeführt, um das belegen zu können, und was soll die Aussage mit dem „Durchlassen von einem Promille vom Tausendfachen“ für einen Wert haben, wenn dazu weder ein Versuchsaufbau noch eine Messmethode veröffentlicht werden, anhand deren man diese Behauptungen wissenschaftlich verifizieren könnte?
4:26 Um alle diese "Widerstände" kann man einen symbolischen Kreis ziehen, und diesen Kreis als "Knoten" im Sinne der Kirchhoffschen Knotenregel von 1845 ansehen.
Um welche "Widerstände"? Symbolische rote Kreise sind ein universelles Mittel, das man um viele Dinge ziehen kann - warum nicht um irgendwelche ominösen "Widerstände", die nirgendwo hinreichend hergeleitet wurden? Und was spräche dagegen, die Kirchhoffschen Regeln zur Abwechslung einmal auf die Parallelschaltung von dreiunddrölfzig Eis am Stil und einem BMW Dixie anzuwenden? Wäre gewiss interessant, zu erfahren, wie sich diese außergewöhnliche Kombination von Werkstoffen unter realen Bedingungen verhält, wenn wir ein rotes Schleifchen um die Komponenten binden, respektive zeichnen.
Es stellt sich nur die Frage nach der Sinnhaftigkeit solchen Tuns - wer würde so gewonnene Daten wohl als bare Münze zur Bezahlung alter Schulden akzeptieren? (Wer hätte es gedacht - auch ich kann kryptisch...)
4:40 Diese elektrotechnische Regel besagt, dass die Summe aller "zufließenden Ströme" gleich der Summe aller "abfließenden Ströme" ist.
Richtig, genau das besagt sie. Und genau das ist auch gleichzeitig das Problem: Man kann sie nicht auf irgendwelche Dinge anwenden, die mit Elektrotechnik nicht das Geringste zu tun haben! Diese Regeln gelten ausschließlich in elektrischen Schaltungen, da es nur in elektrischen Schaltkreisen eine unveränderliche Menge freier Elektronen gibt. Bei allen anderen Dingen in der Natur ist diese Unveränderlichkeit nicht gegeben - schon gar nicht bei der zahlenmäßigen Erfassung einer Virenpopulation, die sich in jeder Millisekunde mehrmals ändert.
4:48 Wir brauchen also nicht das Wissen von heute - mit Gruß an Jens Spahn - um die Masken als sinnlos zu erkennen. Das von 1845 oder dern alt-ägyptischen Wasserbauern bekannte Wissen hätte dafür schon ausgereicht.
Und wo ist der kausale Zusammenhang zwischen Jens Spahn und den Kirchhoffschen Regeln? Um irgend etwas als "sinnlos zu erkennen", benötigt man keine an den Haaren herbeigezogenen Vergleiche, sondern nur einen rational funktionierenden Verstand. Und selbiger sagt mir, dass die alten Ägypter mangels Eis selten mit Wasser gebaut haben, sondern Stein und Ziegel bevorzugten. In Achet Aton waren das zum Beispiel die Talatat, und selbst die "Nilometer" waren aus dem Fels gehauen, da luftgetrocknete Lehmziegel in Verbindung mit stetigem Wasserfluss wieder zu Lehm werden, und somit für den Bau von Nilometern untauglich sind.
5:05 Einzig sinnvoll könnte überhaupt nur eine Maske sein, welche die Viren zu 100 Prozent aufhält, die dann 100 Prozent dicht sitzt und die 100 Prozent richtig gehandhabt wird. Alle anderen lassen den "vollen Virenstrom" durch.
Wäre der Herr Baum tatsächlich ein Ingenieur, wüsste er, dass keine perfekten technischen Produkte existieren – ein bisschen Schwund und Toleranz muss man menschengemachten Dingen einfach einräumen...
5:25 Doch damit nicht genug.
War das nun eine Drohung, oder die Ankündigung, dass nun endlich einmal physikalisch korrekte Überlegungen vorgelegt werden, die zur Abwechslung sogar nachvollzieh- und überprüfbar sind? Das wäre dann endlich einmal ein Grund, das bislang im Stand-By laufende Gehirn hochzufahren.
5:27 Der Maskenträger vollzieht durch "Virenrückatmung" eine permanente Selbstinfektion.
Was um alles in der Wellt soll denn die Wortneuschöpfung "Virenrückatmung" bedeuten - funktioniert das nur in Rückenlage, nur hinter dem Rücken der anderen, ist es ein durch Atmen verursachtes Zipperlein im Kreuz, et cetera, pp?
Abgesehen davon: Man kann sich nur einmal infizieren. Sobald man infiziert ist, spielt es keine Rolle mehr, wie viele Viren man zusätzlich einatmet. Die Mund-Nase-Bedeckung dient auch nicht einem rein hypothetischen "absoluten Virenschutz", sondern der Verhinderung der Ausbreitung von Aerosoltröpfchen, die mit Viren kontaminiert sind. Und diese Aufgabe erfüllt selbst der schwindligste Mund-Nase-Schutz ohne Probleme.
5:35 Diese Viren gehen nicht irgendwo auf dem Fußboden verloren, sondern können - wenn man überhaupt den Gedanken des Ansteckens über die Atemwege zulässt - im Körper des Maskenträgers wieder Wirtszellen finden, sich dort ebenso "exponentiell" vermehren, wie die anderen Viren, die dort schon seit längerer Zeit sind.
Gut, dass der Herr Baum uns das gesagt hat - von selbst wäre nie jemand darauf gekommen, dass physikalische Objekte nicht plötzlich ohne Grund aus dem Universum verschwinden. Noch besser ist, dass der Herr Baum der allererste Mensch ist, der sich endlich mal zu fragen traut, wie diese blöden Viren in die Körper von mehr als 63 Millionen Menschen gelangen konnten - die Nulpen bei der WHO und in den Gesundheitsbehörden der Staaten warten schon sehnsüchtigst darauf, endlich von der unendlichen Weisheit des Herrn Baum erleuchtet zu werden. (Aktuelle Zahlen)
Folgt man allerdings dem Gedanken mit der exponentiellen Vermehrung, müsste unser gesamter Planet schon seit Jahrmillionen ausschließlich von aus Viren zusammengebastelten Zombies bewohnt sein. Vor allem stellt der Herr Baum einmal mehr unter Beweis, dass er in puncto Virenreproduktion keinen blassen Schimmer hat.
5:56 Im Bilde gesprochen wird der Wasserhahn durch die Maske also noch weiter aufgedreht.
Ach? Wirklich? Wenn man die Kirchhoffschen Regeln einhält, wird "das Fließende" (der Strom oder seine Analoga) automatisch auf die Durchflussmenge begrenzt, die der Widerstand durchlässt. Da der Strom aber konstant sein muss, und der Widerstand sich nicht ändern kann, kann nur die Spannung (der Druck) steigen, um das Gleichgewicht der Kirchhoffschen Regeln zu erhalten. Dreht man die anliegende Spannung (den "Druck") auf, brennt der Widerstand durch, wenn die maximale Verlustleistung P = U * I überschritten wird. Beim Analogon würde das Behältnis irgendwann bersten, wenn der Druck den zulässigen Maximalwert überschreitet.
6:02 Man muss es klar sagen, dass sich das "Virenaufkommen" wegen des Maskentragens erhöht, und deshalb auch der "Ausstoß", den man ja eigentlich reduzieren wollte, denn der "erhöhte Ausstoß" des so befeuerten "Brutreaktormenschs" wird ja auch wieder zu X mal Y = 100 Prozent in die Umgebung gelassen.
Muss man das sagen? Warum - und vor Allem wie - sollte eine sich stetig vergrößernde Virenpopulation noch zusätzlich anwachsen? Ist es nicht eher so, dass die mit der Maske eingefangenen Viren dem sicheren Tod ausgesetzt sind, und sich ohne Wirt auch nicht mehr vermehren können? Wo soll ein "erhöhter Ausstoß" denn bitteschön herkommen - atmet der soeben erfundene "Brutreaktormensch" plötzlich öfter und tiefer, um einen erhöhten Luftdurchsatz zu verursachen? Dann würde er aber auch die an Mehrmenge Viren wieder einatmen, die er zuvor ausgeatmet hatte. Wie kann es überhaupt sein, dass eine vom Herrn Baum fälschlicherweise mit einem Wirkungsgrad von 50 Prozent bezifferte Maske plötzlich 100 statt der von Herrn Baum selbst mit 50 Prozent festgelegten Menge durchlässt - haben da übernatürliche Kräfte nachgeholfen, oder wie erklärt der Herr Baum sich die wundersame Verdoppelung der von ihm selbst erfundenen Durchlassrate von 50 Prozent?
6:25 Und wenn man nicht gerade so drauf ist, wie es vor Jahren unsere Dieselabgas-Rechenkünstler waren, kann man sich als zuständiger Fachausschuss an Grenzwerten der Filterwirkung, Prüfnorm und Prüfaufbau ja schlicht nur "verheben".
Was haben Dieselabgase mit einem "Maskenparadox" zu tun - besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen der Menge, respektive der Zusammensetzung von Dieselabgasen und irgendeiner Eigenschaft des SARS-CoV-2? Wenn nicht, hat sich hier doch eher der Herr Baum mit seiner ausufernden, weltfremden Phantasie verhoben, und zusätzlich auch noch unsterblich blamiert.
Zu der ab 6:30 eingeblendeten Graphik: Ein gesunder Mensch atmet je nach Alter (je jünger, desto mehr) pro Minute zwischen 6 und 9 Liter Luft ein und wieder aus. Die in der Graphik unter 7.9.2. gezeigte Tabelle der DIN EN 149:2009-08 (EN bedeutet europäische Normen, darüber steht noch die International Standard Organisation ISO) ist eine Prüfnorm, die Masken mit 95 Litern pro Minute - also dem mehr als zehn- bis fünfzehnfachen des natürlichen Luftdurchsatzes eine echten Menschen - testet, um die einwandfreie Funktion der Maske unter normalen Bedingungen gewährleisten zu können. Kein realer Mensch wird unter normalen Konditionen jemals einen Luftdurchsatz von 95 Litern pro Minute erreichen!
Entgegen der weiter oben aufgestellten Behauptung eines "50 prozentigen Durchlasses" kann man der Tabelle entnehmen, dass selbst eine FFP1-Maske maximal 20 Prozent der Test-Aerosole durchlassen darf, das aber, wie bereits erwähnt, beim zehnfachen Luftumsatz eines normalen Menschen. Man kann ruhigen Gewissens davon ausgehen, dass eine FFP1-Maske im Alltag weit weniger als diese erlaubten 20 Prozent Aerosole durchlässt.
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| Wirklichkeit und Phantastereien in Wort und Zahl |
Obwohl der Herr Baum angeblich Ingenieur sein will, ist er offensichtlich nicht einmal fähig, ein technisches Datenblatt zu lesen. Die grattlerhaft in Rot dazu gemalten "Werte" sind reine Phantasieprodukte des Verfassers der Graphik. Wie kann man nur auf die abstruse Idee kommen, dass ausgerechnet OP-Masken, die seit ihrer Erfindung im Jahr 1918 Milliarden Operierte vor einer Infektion durch den Atem der Operierenden schützten, um einen Faktor 20 schlechter als gar keine Maske seien? So etwas kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen – ein einzelner Mensch allein kann doch gar nicht so bescheuert sein, derartigen Unfug auch nur zu erwägen?
Ganz am Rande erwähnt: Wer in einer offiziellen Präsentation seiner „Theorie“ das Wort „Wert“ in Kehrwert mit „h“ schreibt, sollt möglicherweise erst einmal an seiner Rechtschreibung arbeiten – um einen besonders gebildeten Menschen kann es sich bei solchen Schnitzern wohl kaum halten.
6:40 Es ist hier nicht wie bei einer Taschenlampe oder einem Licht, das man unter den Scheffel stellen kann (???), sondern nach Kollision mit der Maskeninnenseite bleiben die Viren ganz frech weiter auf der Welt.
Dass man jetzt auch schon Taschenlampen "unter den Scheffel stellen" kann, ist mir neu. Was das Synonym für "seine Fähigkeiten nicht einsetzen, sondern verbergen" in diesem Satz überhaupt zu suchen hat, ist mir ebenso schleierhaft. Dass die meisten Viren in der Maske hängen bleiben ist korrekt. Die Frage ist eher, welche Schlüsse oder Fehlschlüsse man daraus zieht. Der Herr Baum geht ja offensichtlich davon aus, dass SARS-CoV-2 nicht in Aerosoltröpfchen „reist“, sondern sich als Wolke aus Solo dahinfliegenden Viren verbreitet, welche gegen das Gewebe der Maske gepustet werden, und von dort wie Tennisbälle zurückprallen – es verblüfft immer wieder, welch abstruse Vorstellungen Menschen mit akutem Informationsdefizit aus ihrem geballten Unwissen so entwickeln...
6:50 Der Maskenzwang ist also "juristisch betrachtet" nur eine individual- und gemeinwohlschädigende Verfügung über einen "vermehrungsbehafteten" Umweg der im Atem "besorgten" Viren. Und natürlich auch von allen anderen "Mikroben", völlig ungeachtet ob sie schlimmer, harmloser oder unbekannter Aggresivität sind.
Immerhin ist der Umgang des Herrn Baum mit der deutschen Sprache reichlich kreativ. Da wird eine „individual- und gemeinwohlschädigende Verfügung“ und ein „vermehrungsbehafteter Umweg“ von „im Atem besorgten Viren“ erfunden, von „schlimmer, harmloser und unbekannter Aggressivität“ fabuliert, was das Sprachgefühl hergibt, und ein Prozess gegen die gleichen Kirchhoffschen Regeln in Erwägung gezogen, die unser Herr Baum bislang noch zum Aufbau seiner abstrusen Phantasien missbrauchte.
Und einmal mehr stellt der Herr Baum unter Beweis, dass er von Biologie keine Ahnung hat: Die Population der "Mikroorganismen" in unseren Atemwegen wird durch das Tragen einer Maske nicht größer, sondern bleibt bestenfalls gleich, da wegen der Mund-Nase-Bedeckung ja keine neuen mehr nachkommen können. Und wenn man bereits mit irgendetwas infiziert wurde, schützt die Mund-Nase-Bedeckung zumindest unsere Mitmenschen davor, auch noch infiziert zu werden.
7:12 Was einmal aussah wie ein Hilfsmittel, wird zum Symbol der Unterwerfung unter Willkür und falsche Logik.
Redet der Herr Baum über sich selbst und sein vor Fehlern strotzendes Video, die Willkür beim Missbrauch der Kirchhoffschen Regeln und des Ohmschen Gesetzes, oder gar die völlig verquere „Unlogik“ der von ihm vorgetragenen Wasseranalogien? Das wäre dann wohl der berühmte erste Schritt zur Selbsterkenntnis.
7:20 Dürfte man einer Anordnung, Feuer mit Benzin zu löschen, überhaupt befolgen, nur weil es eine Mehrheit für logisch hält?
Was für ein wunderschöner Strohmann, den der Herr Baum hier baut...
7:28 Was mal aussah wie ein Fehler, wird zum Verbrechen.
Solch kryptische Metaphern findet man sonst nur in religiösen Schriften, Manifesten wider die Erkenntnisse der Wissenschaften und den heiligen Büchern der Kreationisten, Mormonen, Scientologen, et cetera, et cetera.
7:31 Bis hierher ist da Geschehen aber im Wesentlichen nur in den nahezu gleichen "statischen Gleichgewichtssituationen" beschrieben. Diese sind zwar leicht zu überblicken, aber die einfachen Formeln wie U = R mal I und die e-Funktion lassen bei manch einem - mich eingeschlossen - vielleicht doch noch Fragen offen, oder Einwände zu.
Welche "statischen Gleichgewichtssituationen" sollen das sein? "Leicht zu überblicken" sind Dinge nur, wenn man sie vollkommen erfassen kann. Das trifft auf das Ohmsche Gesetz und die Kirchhoffschen Regeln gewiss zu, da die Anzahl der Einzelkomponenten meist im überschaubaren Rahmen bleibt - wer lötet schon Billiarden Widerstände parallel, seriell oder über Kreuz zusammen?
Auf ein komplexes, sich erratisch änderndes Zusammenspiel von Milliarden Individuen und um einige Zehnerpotenzen höheren Populationen der diversesten Viren und Mikroorganismen angewandt, wäre das selbst bei Vollauslastung der geballten Rechnerkapazitäten dieses Planeten ein Ding der Unmöglichkeit. Man benötigt ja schon Superrechner, um die erforderlichen Hochrechnungen für die aktuelle Wettervorhersage in annehmbarer Zeit erhalten zu können, und da sind nur ein paar Millionen Parameter zu berücksichtigen. Bei der Erhöhung der Parameter um den Faktor zehn hoch zwölf (alle Homo sapiens + alle Krankheitserreger) bricht erst das Internet und dann die Infrastruktur der Großrechner zusammen.
Es ist aber schön, zu erfahren, dass selbst der Herr Baum die hier dargelegte Verknüpfung der Kirchhoffschen Regeln mit der Natur in Frage stellt - man hätte fast meinen können, er hätte das bislang Gesagte ernst genommen. Welch ein Schelm unser Her Baum doch sein kann.
7:51 Was ist mit Masken wechseln? Welche Intervalle? Was ist mir Raum lüften? Was ist, wenn ein Infizierter in einen gelüfteten Raum eintritt? Was, wenn ein Gesunder in einen kontaminierten Raum eintritt? Welchen Sinn machen Masken mit Ventil, und in welche Richtung sollten sie den "Bypass" freigeben? Ja, was ist mit den ganzen Übergangsvorgängen?
Viele Fragen, von denen wir nur eine mit Bestimmtheit beantworten können: Masken mit Ventil produzieren ebenso wenig Sinn wie Masken ohne Ventil. Wie sollte eine Maske so etwas komplexes wie Sinn produzieren können, wo sie doch nicht einmal Extremitäten besitzt, mit der sie Dinge schaffen könnte? Und, selbst wenn das möglich wäre - wer würde vorproduzierten Sinn schon kaufen, wenn der sich früher oder später doch immer von selbst ergibt?
Die wichtigste aller Fragen hat der Herr Baum aber leider ausgelassen: Auf wie viel Kelvin kühlt ein durchlüfteter Raum ab, wenn ein Nichtinfizierter ihn verlassen hat, und wie hoch ist die Temperaturdifferenz bei der Gegenprobe mit einem Infizierten? Das sind die wirklich wichtigen Fragen, ohne deren Beantwortung innerhalb der gegebenen Frist die gesamte Energie des Universum einer Spontanverpuffung anheim fallen wird.
8:14 All diese Fragen kann man heutezutage auch mit Computern simulieren. Die fertige Tabelle mit einem ausgiebigen "Erklärvideo" ist im Netz für Excel oder OpenOffice-Calc verfügbar.
Nun ja, simulieren kann man viel und oft, wenn der Tag so richtig lang ist. Es ist trotz alledem erhebend, zu sehen, dass einige Menschen ernsthaft daran glauben, die komplexesten Rätsel dieser Welt mit einem überschaubaren Satz Excel-Tabellen lösen zu können.
8:28 Ja, die Krise ist kalkulierbar. Für jedermann.
Welch sonniges Gemüt, welch tiefer Glaube an die unbefleckte Erkenntnis der heiligen Excel-Tabelle! Damit hat sich der Herr Baum einen gesicherten Schwebeplatz in der Belohnsphäre seiner Religion reserviert!
8:33 Das "Durchspielen" aller möglichen Fragestellungen, mit Parametern und Startbedingungen, sowie das "scharfe Nachdenken" über die viel zu lange und viel zu wenig betonten funktionalen Zusammenhänge, und hier ist vor allem die "körpereigene Immunantwort" zu erwähnen, befreit am Ende ganz enorm von Angst.
Da hat der Herr Baum beim "scharfen Nachdenken" über das "Durchspielen" diverser Excel-Parameter wohl versehentlich eine Teil-Lobotomie an sich selbst durchgeführt. Das würde die wirre und gewaltsame Vereinigung der Kirchhoffschen Regeln mit der Reproduktionsrate von Lebewesen erklären.
Summary
Der Herr Baum hat wohl so lange und so oft "scharf nachgedacht", bis das Bullshit-O-Meter am Anschlag stand. Selbst die einfachsten physikalischen Zusammenhänge werden bestenfalls "teil-richtig", meist jedoch grottenfalsch dargestellt und wiedergegeben. Wer in der Elektrotechnik geltende Regeln auf Populationen von Lebewesen anwendet, kann weder von Elektrotechnik noch von Biologie und den artverwandten Wissenschaftszweigen eine erwähnenswerte Ahnung haben.
Aufgrund der vielen in dieser Analyse nachgewiesenen Form- und Denkfehler müssen alle im Video des Herrn Baum vorgetragenen Hypothesen als hinreichend falsifiziert abgelehnt werden. Nicht genug der vielen Fehler im vorgetragenen Gedankengebäude, hat der Herr Baum auch noch die Chuzpe, Menschen das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ausreden zu wollen – offenbar ist ihm nicht einmal klar, dass er seine Mitmenschen damit der drohenden Gefahr einer Infektion aussetzt, die bestenfalls bislang noch unbekannte Folgeschäden hinterlässt, schlimmstenfalls aber auch zum Tod der Gläubigen seiner Ersatzreligion vom „Maskenparadox“ führen kann.
Lieber Herr Baum: Du solltest Dich in jeder Stunde des Dir noch verbleibenden Lebens fragen, ob Du ruhigen Gewissens den Tod der von Dir manipulierten Menschen billigend in Kauf nehmen und trotz alledem noch ruhig schlafen kannst, wo Du doch die manipulative Überzeugungsarbeit geleistet hast, die zum Tod vieler Menschen führen kann, die Deinen Worten Glauben schenken, auf ihren Eigenschutz verzichten und aufgrund Deiner Scharlatanerie bereits starben und noch sterben werden...





